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Die fachliche Anforderung
Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, das zwei separate Time Accounts zur Überstundenerfassung nutzt. Beide zählen dieselbe Art von Stunden, erfüllen aber sehr unterschiedliche Zwecke.
Account 1 startet mit einem Saldo von minus 50 Stunden. Alle anfallenden Überstunden werden hier zunächst gesammelt und gleichen den negativen Saldo schrittweise aus. Dieser Account repräsentiert eine aufgeschobene Verpflichtung: Der Mitarbeiter schuldet dem Unternehmen 50 Stunden, die zunächst abgebaut werden müssen, bevor ein positiver Saldo entstehen kann. Freizeitausgleich oder eine Auszahlung sind aus diesem Account nicht möglich. Zum Jahreswechsel setzt sich Account 1 wieder auf minus 50 Stunden zurück.
Account 2 startet bei null. Sobald Account 1 ausgeglichen ist, fließen neu entstehende Überstunden in Account 2. Darüber hinaus fließen auch Fehlzeiten und Minusstunden in diesen Account. Von hier aus können Mitarbeitende Freizeitausgleich (Time for Time, TFT) nehmen oder sich die Stunden auszahlen lassen.
Die fachliche Logik ist in diesem Szenario klar. Die korrekte technische Umsetzung in SAP SuccessFactors erfordert jedoch eine präzise Konfiguration.
Time Type Group zu Time Account Integration: Die technische Herausforderung
In SAP SuccessFactors Time Tracking berechnen und aggregieren Time Valuations Zeitwerte innerhalb eines Time Recording Profiles. Die Ergebnisse werden in Time Type Groups (TTGs) gespeichert. Time Accounts hingegen sind die dauerhaften Salden, die Mitarbeitende und Führungskräfte im System sehen.
Die Herausforderung: Werte aus Time Containern fließen nicht automatisch in Time Accounts. Eine dedizierte Integration ist erforderlich, um beide Ebenen zu verbinden.
Für dieses Szenario würden zwei Time Container im Time Recording Profile konfiguriert, einer für jeden Account. Die Aufteilungslogik bestimmt, welcher Container die Überstunden erhält:
Solange Account 1 noch negativ ist, fließen Überstunden in den ersten Container. Sobald Account 1 ausgeglichen ist, gehen neu entstehende Überstunden in den zweiten Container. Diese Aufteilung übernimmt eine dedizierte Time Valuation vom Typ “Aggregation”.
Die Konfiguration
Das folgende Diagramm zeigt die vollständige Konfigurationslogik.

Bewertung 1: Split Time Accounts (Typ: Aggregation)
Input: Die TTG Total Overtime speist diese Time Valuation.
Output below: Solange Account 1 noch negativ ist, fließen die Stunden über den below-Pfad in die TTG TFT Balance 1, die Account 1 entspricht.
Output above: Sobald Account 1 ausgeglichen ist, leitet der above-Pfad die Stunden in die TTG Push to Account 2 weiter.
Bewertung 2: Aggregate TFT Account (Typ: Aggregation)
Inputs: Diese Time Valuation erhält zwei Eingaben: die TTG Push to Account 2 sowie die TTG Total Negative Hours, in der Fehlzeiten und Minusstunden gesammelt werden.
Output: Das Ergebnis wird in die TTG TFT Balance 2 geschrieben, die Account 2 entspricht.
Die Integration
Da Time-Container-Werte nicht automatisch in Time Accounts übertragen werden, sind zwei Integrationen erforderlich.
Die erste Integration legt die Time Accounts für einen Mitarbeiter an, sobald die entsprechenden Time Container im System vorhanden sind. So wird sichergestellt, dass Account 1 und Account 2 ab dem Moment verfügbar sind, in dem die Konfiguration für den jeweiligen Mitarbeiter aktiv wird.
Die zweite Integration läuft regelmäßig und schreibt die aktuellen Container-Salden in die jeweiligen Time Accounts. Damit bleiben die angezeigten Salden ohne manuellen Aufwand aktuell.
Warum das relevant ist
Dieses Beispiel zeigt eine wiederkehrende Herausforderung bei SAP SuccessFactors Time Tracking Implementierungen: die Lücke zwischen fachlicher Logik und technischer Konfiguration. Eine Anforderung, die fachlich einfach klingt, zwei Überstunden-Accounts, einer füllt sich vor dem anderen, erfordert eine präzise Kombination aus Time Valuations, Time Type Groups, Time Containern und dedizierten Integrationen.
Fehler an einer Stelle in dieser Kette führen zu falschen Salden, falschen Abrechnungsergebnissen oder Accounts, die sich nicht wie erwartet verhalten. Die Integrationsebene ist dabei besonders kritisch: Ohne sie bleiben die berechneten Werte für Mitarbeitende und Führungskräfte unsichtbar.
Bei Clarity Solutions unterstützen wir Unternehmen bei der Konzeption und Implementierung komplexer Time-Tracking-Konfigurationen in SAP SuccessFactors, von Standardanforderungen bis hin zu individuellen Szenarien wie dem hier beschriebenen.


